AN INTERVIEW WITH ERICH WOLFGANG KORNGOLD

(thanks to JIRI ORT for providing the recording and transcript of this interview)

 

RAVAG WIEN; Interview am 1. 10. 1954 gesendet

                       

                        (O-Ton Korngold; aus dem  am 1. 10. 1954 gesendeten Rundfunk-Interview;  CD–Abschnitt 02 –  0:00 bis 0:35)

 

REPORTER     [...] Aber diesmal sind Sie nicht wegen des Films nach Wien gekommen, Herr Professor. 

 

KORNGOLD   Nein, der Richard-Wagner-Film, dessen musikalische Leitung ich übernommen habe, wird in München gedreht [den Huster ausschneiden] , und mein jetziger Urlaub gilt der Wiener Uraufführung meiner neuen Symphonie, die am 17. Oktober im Österreichischen Rundfunk stattfinden wird.

                        Im gleichen Konzert werde ich übrigens auch ein neues Gesamtstück von mir am Klavier begleiten, eine Widmung an meine alte Heimatstadt,  Sonett an Wien,  ein wunderschönes Gedicht von Hans Kaltenecker, dem ich ja auch das Buch zu meiner Oper Das Wunder der Heliane verdanke. [0:35]    

                       

REPORTER     [0:35] Nun, das ist ja  eine Rückkehr zu absoluter Musik, Herr Professor.

 

KORNGOLD   [0:37]  Ja, ich habe mich schon im Jahre 1946. also vor acht Jahren, vom Film zurückgezogen, und habe mich seither zur Gänze meinem Schaffen für Konzert und Bühne zugewendet. [0:48]

                        Wie Sie wissen, sind in der Zwischenzeit ein Violinkonzert, das gerade – von Haifetz gespielt – auf Platten bei Victor erschienen ist, ein Cellokonzert, eine Streicherserenade, die Furtwängler mit den Wiener Philharmonikern uraufgeführt hat, entstanden, auch eine kleine Komödie, die im nächsten Monat ihre Bühnenpremiere in Dortmund und später in Berlin erleben soll. [1:14]

   

                        (Zu Magic Fire 50 Sekunden O-Ton Korngold; aus dem  am 1. 10. 1954 gesendeten Rundfunk-Interview;  CD-Abschnitt 02 –  1:10 bis 2:10)

 

REPORTER     [...] Ich glaube, Ihrer Vorliebe zur Bühne ist es zu danken, daß Sie nun doch wieder auch an einem Film mitarbeiten, und zwar an dem von Ihnen erwähnten Richard-Wagner-Film. 


 

KORNGOLD   Nicht nur meiner Vorliebe für die Bühne, sondern auch meiner Verehrung für Richard Wagner, und offen gestanden auch meiner Besorgnis, dass, wenn ich die musikalische Aufsicht über diesen Wagner-Film ablehne, wie ich in den letzten acht Jahren zahllose Filmangebote abgelehnt hatte, vielleicht weniger pietätvolle Hände als die meinen dieses Meistergut in modernistisch-respektloser Weise behandeln könnten.

                         [1:47] Ich selbst stehe dafür ein, dass in diesem Wagner-Film nicht ein Takt stehen wird, der nicht original von Wagner stammt. Es werden ja Bühnenaufführungsfragmente von fast allen seinen Opern – vom Holländer bis zum Ring – gezeigt, und ich bin gewiss, dass zumindest in Amerika ein ganz neuer Hörerkreis für die Wagner-Musik –  und damit für die Oper überhaupt – gewonnen wird.

REPORTER            (ausblenden)  Herr Professor Korngold...        

 

KORNGOLD      (O-Ton / Interview 1954 /  Abschnitt  2:49 – 3:12)  „Ja,  meine Tote Stadt war ja vor meinem letzten Wiener Aufenthalt vor vier Jahren von der Wiener Staatsoper  fast zur Gänze fertig neu einstudiert, Bühnenproben waren bereits angesetzt, Dekoration angeordnet, und im letzten Augenblick, durch eine unglückselige Sängerkonstellation [Türgeräusch ausschneiden] – eine Verschiebung, und dann ein Verschwinden in der Versenkung“.      

 

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